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STERN: Was
sind Sie: ein moderierender Metzger oder ein Moderator, der zufällig
auch was Vernünftiges gelernt hat?
RAAB: Das kommt
immer auf den Betrachter an. Ich habe tatsächlich ein Problem
damit, wenn mich jemand fragt: 'Was machst du von Beruf?' Ich
schäme mich, die Bezeichnung 'Moderator' in den Mund zu nehmen.
Das ist irgendwie kein richtiger Beruf.
STERN: Vom
Metzger zum Millionär. Wie passiert so was?
RAAB: Es gibt
ja viele Leute, die hart an Fernsehkarrieren arbeiten. Das war
bei mir wirklich Zufall. Als ich bei 'Viva' anfing, habe ich
nicht mit so viel Erfolg gerechnet.
STERN: Jetzt
haben Sie ihn aber und dazu den Ruf, ein unverschämter Lümmel
zu sein.
RAAB: Das ist
ein Image, das mir aufgedrückt wird. Eigentlich gebe ich mir Mühe,
gewisse Grenzen nicht zu verletzen.
STERN: Sie
haben das Lied für Guildo Horn geschrieben. Sind Sie nach der
Grand-Prix-Ausscheidung auf der Straße beschimpft worden?
RAAB: Überhaupt
nicht. Alle sind sehr freundlich zu mir. Die Deutschen verstehen
mehr Spaß, als man denkt.
STERN:
Obwohl Sie den Grand-Prix als Zombie-Theater entlarvt haben.
RAAB: Seien wir
ehrlich: Bis zu Guildos Auftritt war diese Veranstaltung doch
tot. Jetzt lebt sie wieder. Das ist doch toll. Und richtig
spannend wird es im nächsten Jahr. Da werden viele Künstler
auftreten, die sich bisher nicht getraut haben.
STERN: Sie
waren auf einem Jesuiten-Internat. Ist Onanieren da verboten?
RAAB: Sagen wir
mal so: Ich vermute mal, daß es geduldet wird. Ich persönlich
habe mich natürlich nie solcher Sachen befleißigt. Mensch, heiße
Themen sprechen Sie hier an.
STERN: Ähnliche
Fragen müssen sich Ihre Gäste gefallen lassen.
RAAB: Ja? Über
Onanieren?
STERN:
Franzi van Almsick fühlte sich verletzt, als sie fragten, ob
sie heute schon ins Becken gepinkelt habe.
RAAB: Ich fand
die Frage berechtigt. Viele Menschen kennen das, daß man, wenn
man ins Schwimmbad geht, einen erhöhten Blasendruck hat. Ist
bei mir ja auch so. Solche Fragen sind aberund darauf lege ich
Wertnur Show.
STERN: Sind
Ihre Fans enttäuscht, wenn sie rausfinden, daß der private
Raab kein Arschloch ist?
RAAB: Das kommt
vor. Wenn ich über die Straße gehe, heißt es: 'Ej, Stefan,
mach mal 'nen Spruch.' Die sind enttäuscht, wenn ich freundlich
bin. Ich sage: 'Was kann ich für dich tun?' Und zurück kommt:
'Hey, Mann, du sollst mich verarschen!'
STERN: Haben
Sie sich die Flegelrolle selbst ausgesucht?
RAAB: Die ist
mir zugefallen. Als ich zum Casting bei 'Viva' gegangen bin,
hatte ich gar keinen Bock, Moderator zu werden. Ich sollte Texte
ablesen, und nach drei Zeilen habe ich gesagt: 'Was ist denn das
für ein Blödsinn?' Nach vier Tagen bekam ich einen Anruf: 'Das
war ganz geil. Überleg dir bis nächste Woche ein Showkonzept.'
STERN: Bei
'Viva' gehören Sie zu den Alten. Was raten Sie jüngeren
TV-Kollegen?
RAAB: Junge
Leute kommen im Fernsehgeschäft sehr schnell zu sehr viel Ruhm.
Und das fällt meist genau in die Zeit, in der sie normalerweise
eine solide Ausbildung hätten machen können. Mein Rat: Lern
was Anständiges und such dir rechtzeitig eine Alternative zum
TV-Geschäft.
STERN: Ihre
Alternative ist die Musik. Kommen Sie sich nicht manchmal blöd
vor, als erwachsener Mensch durchs Bild zu hopsen und 'Hier
kommt die Maus' zu singen?
RAAB: Die Maus
hat was mit meinen persönlichen Erinnerungen zu tun.
STERN: Sie
arbeiten die Ikonen Ihrer Kindheit ab. Und mit 40 werden Sie
dann 'Flipper' wiederbeleben?
RAAB: So weit
denke ich gar nicht. Sie zerbrechen sich gerade meinen Kopf. Der
einzige Sinn, den ich in dem sehe, was ich da mache, ist:
erstens selber Spaß zu haben und zweitens die Leute zu
unterhalten. Ich finde es wichtig, daß man sich ständig verändert.
Diese Nostalgie-Rubrik ist jetzt abgeschlossen.
STERN: Sind
Sie noch zu haben?
RAAB: Für was?
STERN:
Liebe. Sex.
RAAB: Ach so.
Nein. Ich bin fest liiert. Das läuft jetzt seit fast einem
Jahr. Sie ist 22.
STERN:
Kannte sie Sie aus dem Fernsehen?
RAAB: Ja. Bei
den Frauen, die für mich altersmäßig in Frage kommen, wird
mich wahrscheinlich fast jede kennen.
STERN:
Zwingt Ihre junge Zielgruppe Sie dazu, unter Ihrem eigenen
Niveau zu bleiben?
RAAB: Klar, daß
viele Kritiker sagen: 'Das ist so flach, das hat
Kindergartenniveau.' Ich halte es für professionell, daß ich
meine Zielgruppe entsprechend bediene. Ich kann bei meinem
Publikum keine Scherze über das 'Literarische Quartett' machen,
weil die glauben, es handele sich um ein Kartenspiel. Ich traue
mir schon zu, eine größere Zielgruppe zu unterhalten.
STERN: Vor
einem Jahr wurden Sie vom Rapper Moses P. niedergeschlagen, weil
Sie in Ihrer Sendung Scherze über ihn gemacht hatten. Was haben
Sie aus dem Vorfall gelernt?
RAAB: Wenn ich
mich von 'schlagkräftigen Argumenten' beeinflussen lassen würde,
wäre das der größte Fehler, den ich machen könnte. Entweder
kann einer mit Scherzen über sich umgehen, oder er kann es
nicht. Wenn ich verarscht werde, freue ich mich. Ich fühle mich
geehrt.
STERN: Sie
haben mal gesagt, Ihre Fernsehkarriere sei eine Jugendsünde.
Inwiefern?
RAAB: Mein
Jugendbegriff ist ein bißchen weiter gefaßt als bei vielen
anderen. Ich will damit nur sagen, daß ich nicht im Fernsehen
alt werden will.
STERN:
Wollen Sie denn im Fernsehen erwachsen werden?
RAAB: Das kann
ich mir durchaus vorstellen.
Das
Interview führten die STERN-Redakteure Ildiko von Kürthy und
Hans-Peter Junker.
Quelle:
Stern 12.3.98
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