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Interview: ZDF.online am 16.10.99
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"Es ist eine große Schande, wenn man
nicht verarscht wird"
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Mit seiner quotenstarke Satire-Show "TV
Total" hat der ehemalige Viva-Moderator
Stefan Raab innerhalb kürzester Zeit einen
Kultstatus unter den Fernseh-Zuschauern
erreicht. Mit seiner Ukulele bringt Raab
Prominenten böse Ständchen - und zeigte in
der "Wetten dass..?"-Sendung, dass
er dabei nicht mal vor den Klitschko-Brüdern
zurückschreckt. ZDF.online traf den gelernten
Metzger und Musikproduzenten vor seinem
Auftritt zum Interview.
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ZDF.online: Stefan Raab, Du hast Deine
Ukulele immer dabei?
Stefan Raab: Ja, klar - die ist ja
mein Maschinengewehr.
ZDF.online: In Deiner Sendung "TV
Total" nimmst Du gnadenlos deutsche
Fernsehsendungen aufs Korn. Ist Dir denn
wenigstens "Wetten dass..?" noch
heilig?
Stefan Raab: Naja, es ist schon eine
Ehre, bei "Wetten dass..?" eingeladen
zu sein. Und ich bin ja hier direkt von der
Ersatzbank für Lothar Matthäus eingesprungen,
das wünscht sich so mancher Nationalspieler.
Aber einem alten Kameraden wie Thomas Gottschalk
hilft man ja gerne aus der Patsche.
ZDF.online: Du triffst ja hier bei
"Wetten dass..?" noch ganz andere alte
Kameraden...
Stefan Raab: Ja, Dieter Bohlen ist ja
hier. Und Naddel! Die habe ich kennengelernt,
als ich mal mit Dieter Bohlen zusammen
ausgeritten bin. Da hat Naddel die Pferde
klargemacht. Heute nach der Sendung gehen wir
vielleicht noch einen trinken, mal sehen. Hier
ist ja alles umsonst, oder?! Deswegen bin ich ja
auch hier, da brauche ich zu Hause nicht kochen.
ZDF.online: Früher waren die Promis
noch beleidigt, wenn Du sie aufs Korn genommen
hast. Jetzt können sie sich das gar nicht mehr
erlauben, weil sie dann als humorlos gelten würden...
Stefan Raab: Ja, die bieten sich zum
Teil schon an und fragen, ob wir sie nicht mal
beleidigen könnten in "TV Total"...
Nein, aber mein Ziel ist ja nicht, die Leute zu
beleidigen und in tiefe Psychosen zu stoßen,
sondern ich will den Zuschauern Spaß bereiten.
Bei mir ist Hass nie ein Motiv. Ich würde mich
nie über Leute lustig machen, die ich nicht
leiden kann. Diese Leute haben die große Gnade,
dass sie ihr Grundrecht auf Verarschung, das
jeder Mensch hat, verwirkt haben. Das ist eine
große Schande, wenn man nicht verarscht wird,
denn dann macht das Leben keinen Spaß.
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"Unsere Sendung entsteht
spielerisch"
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ZDF.online:
Und deshalb hebt der Pro-7-Moderator Andreas Türck,
dem Du in "TV Total" mittels Zeitlupe
und Großaufnahme Achselnässe nachgewiesen hast,
schon freiwillig die Arme, wenn er Dich sieht?
Stefan
Raab:
Ja, das ist komischerweise so. Die Geschichte wäre
wahrscheinlich schon längst vergessen, wenn er
nicht bei jedem Anlass die Arme hochreißen würde.
ZDF.online:
Seit kurzem läuft parallel zu "TV
Total" Hape Kerkelings SAT-1-Show "Darüber
lacht die Welt" - eine Konkurrenz?
Stefan
Raab:
Nein, die machen ja etwas ganz anderes. Die nehmen
einfach Dinge, die im Fernsehen schief gelaufen
sind und zeigen das - das hat "Pleiten, Pech
und Pannen" schon vorher gemacht. Die meisten
Ausschnitte, mit denen wir arbeiten, würden nie
in einer solchen Sendung vorkommen. Wir haben
einen anderen Ansatz, wir suchen uns etwas heraus
und machen eine Geschichte daraus. Wir sind nicht
darauf angewiesen, dass jemand Fehler macht, wir
kaufen uns nichts zusammen, sondern stecken
redaktionelle Arbeit rein. Außerdem ist der
Hauptanteil bei "TV Total"
eigenproduziertes Material, zum Beispiel das
"Raabigramm", "Raab in Gefahr"
und so weiter. Die einzige Gemeinsamkeit von uns
und Hape Kerkeling ist, dass wir beide den
Anspruch haben, lustig zu sein.
ZDF.online:
Kannst Du eigentlich noch ganz entspannt und ohne
nach Peinlichkeiten zu suchen fernsehen?
Stefan
Raab:
Ja, das mache ich auch oft. Unsere Sendung
entsteht ja mehr spielerisch. Wir müssen auch
nicht um Material kämpfen, es passiert einfach so
viel. Viele haben schon nach der zweiten Sendung
gesagt: "Wo wollen die das Material für 15
Sendungen herkriegen?", aber das ist überhaupt
kein Problem. Man muss sich das Material schaffen.
So eine Geschichte wie die Dieter-Bürgi-Initiative
- es gab einfach nur diesen
Calgon-Waschmaschinen-Spot, in dem die drei
Calgon-Männer vom Lochfraß erzählt haben. Die
haben wir eingeladen, und Dieter Bürgi ist nicht
gekommen, weil er 20.000 Mark Honorar haben
wollte. Daraufhin haben wir über drei Sendungen
eine Kampagne gestartet mit Videos, Liedern und
einem Spendenaufruf. Das hat dann dazu geführt,
dass Dieter Bürgi doch noch gekommen ist - so
etwas würde man in einer anderen Sendung nicht
sehen.
ZDF.online:
Was ist denn mit den
"Spendengeldern"
passiert?
Stefan
Raab:
Wir haben den Betrag noch mal
verdoppelt und ein Teil davon ging
an "Helfer ohne
Grenzen", ein Teil an eine
Kosovo-Schule. Die meisten Spenden
der Zuschauer kamen ja in
Pfennigen - ich glaube, der größte
Betrag war 2 Mark.
ZDF.online:
Für "TV Total" hast Du
kürzlich den Deutschen
Fernsehpreis bekommen - und auch
diese Verleihung hast Du in Deiner
Sendung aufs Korn genommen.
Glaubst Du, Du bekommst noch mal
einen?
Stefan
Raab:
Naja, wenn wir weiterhin eine gute
Sendung machen. Aber wir machen
das ja nicht, um Preise zu
bekommen. Aber dieser Preis war
auch für uns überraschend - nach
so kurzer Zeit, die wir auf
Sendung sind. Wir freuen uns sehr,
aber ich sage auch mal ganz
unbescheiden, dass es auch nicht
unverdient war. Denn "TV
Total" ist seit langer Zeit
mal wieder ein Format, das es in
dieser Form noch nicht gegeben
hat. Und nur weil wir uns
hinterher darüber lustig gemacht
haben, werden wir sicher nicht in
Zukunft von den Fernsehpreisen
ausgeschlossen werden.
ZDF.online:
Dein Traum ist es, irgendwann
einmal um die Welt zu segeln. Würdest
Du es überhaupt so lange ohne
Fernseher aushalten?
Stefan
Raab:
Naja, mittlerweile sind Schiffe ja
so modern ausgebaut, dass man
Satellitenfernsehen haben kann und
auch ein kleines Studio an Bord.
Wann ich mal dazu komme, weiss ich
noch nicht. Aber auf jeden Fall
plane ich nicht, beim Fernsehen
alt zu werden - das sage ich jetzt
mal so. Vielleicht ändert sich
das auch noch. Aber ich persönlich
glaube nicht, dass ich in zehn
Jahren immer noch Fernsehen
mache...
ZDF.online:
...sondern?
Stefan
Raab:
Ich werde mich als Produzent betätigen,
ich habe ein eigenes Plattenlabel,
ich habe zwei Tonstudios und ich
bin ja auch Produzent meiner
eigenen Sendung. Mein Ziel ist
jedenfalls, innerhalb der nächsten
zehn Jahre drei bis vier Jahre
auszusteigen und um die Welt zu
segeln. Aber ich muss auch erst
mal sehen, ich habe ja auch
Verpflichtungen, auch private,
vielleicht hat ja meine Freundin
auch gar keinen Bock darauf.
Dieses Jahr war ich immerhin sechs
Wochen segeln in der Ägäis - und
da hätte ich locker noch vier
Jahre bleiben können.
ZDF.online:
Willst du Kinder haben?
Stefan
Raab:
Ja, 'ne ganze Menge. Also so
viele, dass man eine gute Band
draus machen kann - die "Raab
Five".
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ZDF.online:
Drei Vorurteile über Stefan Raab
- Du musst sagen, ob sie wahr oder
falsch sind: 1. Du besitzt nur fünf
Hemden, und die sind alle
hellblau.
Stefan
Raab:
Es ist richtig, dass ich
mindestens fünf, wenn nicht sogar
zehn hellblaue Hemden besitze.
Aber ich besitze auch noch andere
Klamotten, nur die trage ich
nicht. Ich habe zu Hause noch eine
Kiste mit alten Klamotten, die
wollte ich schon immer mal zur
Caritas tragen.
ZDF.online:
2. Du bist ein sehr gläubiger
Mensch.
Stefan
Raab:
Das habe ich auch ein paar Mal in
der Zeitung gelesen, aber das ist
ein verzerrtes Bild. Das liegt
daran, dass ich oft zu Hause in
der Küche Interviews gebe und da
hängt aus alten Zeiten noch ein
Madonna-Bildchen an der Wand. Ich
bin katholisch und ich glaube an
Gott, ich bin jesuitisch erzogen
werden auf dem Internat. Ich
glaube schon, dass da jemand ist,
der so ein bisschen auf die Welt
guckt, ob alles okay ist, der aber
auch Riesen-Spaß versteht. Ich
meine - Jesus! Das war doch so ein
junger Typ, der mit zwölf
Freunden durch die Lande zieht -
da kannste mir doch nicht erzählen,
dass die nicht auch mal die Mädels
klar gemacht haben. Das steht natürlich
nicht in der Bibel, das würde ich
ja auch nicht erzählen. Ich gehe
ein oder zwei Mal im Jahr in die
Kirche, an hohen Feiertagen.
Ansonsten bin ich natürlich
Pro-7-gläubig!
ZDF.online:
Vorurteil Nummer 3: Du hast kaum
Freunde, weil Du auch im
Privatleben gern gemein bist.
Stefan
Raab:
Das stimmt nicht. Ich bin im
Privatleben gar nicht böse. Ich
bin höchstens ein bisschen cheeky.
Ich weiss nicht, ob es im
Deutschen auch ein Wort gibt dafür.
Man weiss halt nicht, was man mir
glauben soll und was nicht - und
das ist auch gut so. Die Hälfte
von dem, was ich erzähle, ist
sowieso unwahr - aber ich sage
nicht, welche Hälfte. Also, das
kannst Du Dir jetzt aussuchen!
Interview:
Melanie Contoli
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Quelle:
ZDF.online
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amiamo.de
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