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Vom braven Sohn zur Rampensau
 
FERNSEHEN / Freche Sprüche, derbe Zoten, üble Gags: Mit seiner Sendung 'TV Total' ist der einstige Meßdiener Stefan Raab zum Helden der Spaßgesellschaft geworden
 
Wenn Stefan Raab Besuchern imponieren will, holt er die Hunde raus. Immerhin ist er so nett, vorher zu warnen. Deine Kleider kannst du nachher vergessen, sagt er. Dann trollen zwei Neufundländer, groß wie Kälber, eine Stiege herunter. Fallen in den kleinen Innenhof ein. Springen dir ins Gesicht, drücken dich an die Wand, werfen dich in die Rosenstöcke. Fletschen die Zähne und hecheln. Stefan Raab steht ruhig in der Ecke. 'Die tun nichts', sagt er, 'die wollen nur spielen.'

Herrchen will auch nur spielen. Seit Jahren macht Raab den Rambo der Fernsehunterhaltung. Folgt Rita Süssmuth Richtung Toilette. Nötigt den Bundespräsidenten, 'Backe, backe Kuchen' zu singen. Überfällt Peter Maffay in dessen Garderobe und fragt Franziska van Almsick, ob sie schon mal ins Becken gepinkelt hat. Seine Pro-Sieben-Show 'TV Total' erreicht Traumquoten. Fast 50 Prozent Marktanteil bei den 14 bis 29jährigen. Für Deutschlands Kids ist Raab Kult. Die Spaßgeneration hat ihren Hero.

Aber was steckt hinter dem Typ? Wer ist der Kerl, der Rudi Carrell mit einem Ochsenpimmel vergleicht? Seine Medienreferentin bietet Termine an. Man könne dabeisein, wenn Raab seine Show aufzeichnet. Aber bitte keine Bilder bei der Vorbereitung. Es gebe auch die Möglichkeit, ihn bei einem TV-Auftritt mit Karl Dall zu begleiten. Nur, keine Fragen zu Freundin und Familie.

Grußlos huscht Stefan Raab bei der ersten Begegnung vorbei. Er versteht die Aufregung um seine Person nicht. 'Was soll ich erzählen? Ich habe nicht viel zu sagen. Alles normal bei mir.'

Raab weiß wirklich nicht, worüber er reden soll. Über Probleme? Welche denn? Schicksalsschläge? Kennt er noch nicht. Mit 32 Jahren längst Millionär, hat er sich seinen Lebenstraum schon erfüllt: ein respektables Plattenstudio, in der früheren Wurstküche seiner Eltern.

Die Metzgerei Raab in Köln-Sülz war ein angesehenes Familienunternehmen, der einzige Sohn bestand die Gesellenprüfung als bester Lehrling im Innungsbezirk. Natürlich hätte er den Laden des Vaters übernommen, wäre er nicht erfolgreicher Produzent von Werbejingles gewesen. Später kamen Hits dazu wie 'Börti Vogts' oder die Rap-Version von 'Hier kommt die Maus'. Und Guildo Horns 'Piep'-Lied für den Schlager-Grand-Prix. Wer am Mischpult so viel Geld verdient, muß wirklich nicht hinter der Fleischtheke stehen. Das hat der Vater auch verstanden, und der Sohn kaufte gleich das Haus neben der Metzgerei. Wenn Besuch kommt, schmiert Mutter noch heute in der Küche mit der großen Eckbank Mettbrötchen.

Und ihr Sohn bestellt selbst beim Spanier Bratkartoffeln. Haut sich Hamburger und Pommes rein, wo er doch wirklich das Geld hätte, beim Edelitaliener zu protzen. Letztens hat er sich gewundert, daß ein Essen zu dritt 160 Mark kosten kann, ganz schön teuer. Seine fünf hellblauen Hemden zieht er abwechselnd an. Er sitzt lieber 30 Stunden in seinem Studio, als Small talk auf wichtigen Partys zu machen. Wenn er Gesellschaft braucht, lädt er zum Grillen auf den Balkon. Dann kommen seine Geschäftsfreunde.

'TV Total' kam der Kölner Produktionsfirma 'Brainpool' gerade recht: Ihr Quotenbringer Harald Schmidt hatte sich selbständig gemacht, den Gag-Profis fehlte ein Star. Also gründeten sie mit Raab die Firma 'Metzgerei Raab TV'. Und entwickelten ein Konzept, aus dem gesammelten Fernsehmüll einer Woche eine Sendung zu machen. 'TV Total' ist eine Mischung aus 'Harald Schmidt Show', 'Verstehen Sie Spaß?' und 'Kalkofes Mattscheibe'.

Seit 15 Folgen präsentiert Raab den ganzen Quatsch, der Bildschirme füllt. Wimmernde Kotzbrocken in Talk shows, kastrierte Katzen in Tiersendungen, Fettabsauger in Gesundheitsmagazinen. Er spuckt im Kölner Zoo auf Lamas und veräppelt lispelnde Nachrichtensprecher. 'Ich wähle die Feministische Partei', sagt Raab in seinem frechen Werbespot zur Europawahl, 'damit ich morgen noch pimpern kann.'

Sprüche klopfen hat Metzger Raab bei 'Viva' gelernt, dem Popsender fürs pubertierende Volk. Fünf Jahre brachte er dort Zote. Traktierte Heino mit dem Schaumstoffhammer und zupfte Rex Gildo das Toupet zurecht. Mutter Raab sagt, als Kind sei Stefan nicht besonders aufgefallen - ein ruhiger Junge. Seine Lehrer meinen, Raab sei eher schüchtern gewesen. Ein mittelprächtiger Schüler. Wenn sie heute mit ihm reden, sei er nicht so albern wie im Fernsehen.

Viele fragen sich, warum der brave Raab den bösen Buben markiert. Er zieht die Augenbrauen hoch und grinst. 'Ich will Spaß haben.' Noch was? 'Das Leben ist zu kurz, um Zeit mit negativen Gedanken zu verschwenden.' Sein Beruf sei, Witze auf Kosten anderer zu machen. 'Das ist mein Job.'

Man solle es nicht so ernst nehmen, wenn er Leute beleidige. 'Im Grunde bin ich harmoniesüchtig.' Wenn es dann doch was auf die Fresse gibt, staunt der kölsche Gutmensch. Es hat ihm schwer zu schaffen gemacht, daß sein Spottobjekt Moses Pelham nach derben Sprüchen zurückschlug. Der Musiker zertrümmerte Raabs Nasenbein. Ein Tabubruch in Raabs heiler Welt. Er hat sich noch nie geprügelt. 'Wenn ich merke, die Luft wird dick, gewinne ich lieber Land', sagt er.

'Raab legt sich seine Pointen vorsichtig zurecht und entschuldigt sich hinterher', sagt Karl Dall, der wirklich böse Onkel deutscher TV-Unterhaltung. Raab kalkuliert damit, daß die meisten Menschen im Showgeschäft Weicheier sind. Seine prominenten Opfer kommen gern. Keiner ist sich zu blöd, niemand nimmt übel. Selbst wenn Raab dem keimfreien Kinderschwarm Andreas Türck von 'Pro Sieben' Schweißflecken unterm Arm nachweist. Anfangs war der Sender noch dagegen, daß Raab ihren Quotenbringer vorführt. Jetzt klappt Türck schon freiwillig die Arme hoch, wenn er Raab nur sieht. Hans Meiser lädt ihn zum Grillen, Dieter Bohlen bittet ihn auf seine Pferderanch in Tötensen. Raab kommt gern vorbei, war doch nie böse gemeint, daß er 'Modern Talking' scheiße findet.

Richtig Ärger hat es nie gegeben. Nicht mal gehascht hat Raab. Meßdiener, Wehrdienst, ein paar Semester Jura. Nie lief er auf Demos mit, 'weil es blöde ist, nur gegen etwas zu sein'.

'Der Stefan hat sich auf leichte Weise immer einbinden lassen', sagt Pater Schneider, sein früherer Schulleiter. Fünf Jahre war Raab Jesuitenschüler auf dem Aloisius-Kolleg in Bonn-Bad Godesberg. Las die Bibel, lernte Latein, trug das Aschenkreuz und beichtete Sünden. Raabs Kindheits-Helden waren Hildegard von Bingen und der heilige Vitus, den die Römer in siedendes Öl stießen. Er gründete eine Sacro-Pop-Band und trommelte für Jesus.

Jetzt gefällt er sich als Rampensau, führt kotzende Pennäler und Fallschirmspringer mit offener Hose vor. Opa Günther durfte bei ihm seinen goldberingten Penis zeigen, Oma Agnes ihren gepiercten Busen. Als er den Elektroinstallateur Dieter Bürgi in einem 'Calgon'-Werbespot über Lochfraß in Waschmaschinen jammern hörte, lud er ihn vor. Der Handwerker weigerte sich, und Raab startete eine 'Bürgi-Initiative'. Während Deutschland Geld fürs Kosovo sammelte, spendeten Raabs Fans über 2000 Mark, bis Bürgi auftrat.

Daß Raab leichte Beute jagt, weist er empört von sich. 'Witzig ist witzig. Ich mache nur Späße mit Leuten, die ich mag.' Wie soll er sonst auch seiner Mutter klarmachen, daß er zunächst seinen Opfern Messer in die Brust rammt und dann Erste Hilfe anbietet? Mit seinen Eltern will er es sich nicht verscherzen. Ihre Bilder hütet Raab im Portemonnaie, er geht mit ihnen segeln und war über Pfingsten mit Mutter in Rom. Zur Papstmesse im Petersdom. 'Wenn der Papst die Leute segnet, das hat schon was.' Früher, sagt er, kam zu Hause oft ein kroatischer Franziskanerpater, der Brötchen sammelte für die Armenspeisung. Da habe er eine Ahnung bekommen, wie sinnvoll Kirchensteuer sein kann. Viel Gutes werde damit getan, sagt Katholik Raab. 'Ein bißchen Idealismus sollte schon noch sein.' Diese Botschaft macht froh, wo doch über der Eckbank in der Küche, neben der Muttergottes und Papas Meisterbrief, der böse Metzger-Spruch hängt: 'Was im Bauch verdaut, wird nicht vom Staat geklaut.'

Raabs Mitarbeiter sind auch katholisch. Sein Chefautor besuchte Exerzitien in Münster, der Redakteur wurde am Bischöflichen Gymnasium in Osnabrück erzogen. Produzent Martin Keß war Meßdiener. Es scheint, 'TV Total' ist späte Genugtuung dafür, nie am Meßwein genippt zu haben.

Die Raabsche Spaßguerilla tut, was in ihren Kräften steht. Den jüngsten Angriff auf den guten Geschmack starteten sie mit freundlicher Unterstützung eines Hannoveraner Bademeisters und eines Architekten aus Freiburg. Deren Schnapsidee, den Mitteldeutschen Rundfunk mit einer sächsischen Juxversion von 'La Paloma Blanca' hochzunehmen, machte Produzent Raab zum Sensationshit. Fast eine halbe Million Scheiben wurden bisher verkauft, die 'Ö La Palöma Boys' schossen bis auf Platz zwei der Charts. Raab hat Spaß wie Bolle. 'Muß man sich mal vorstellen, da baut die Musikindustrie jahrelang Stars auf, und wir hebeln das Busineß in wenigen Tagen aus.'

Raab macht halt gerne Späßken. Aber perfekt müssen sie sein. 'Es gibt keinen Tag, an dem ein Raab nicht arbeitet', sagt er. Seine Partner behandeln ihn wie ein rohes Ei, um den Meister nicht zu verärgern. Ständig kommt er an mit Änderungen. Noch nachts brütet er im Restaurant neue Gags aus. Kramt seine Ukulele, 'mein Maschinengewehr', aus der Tasche und trällert ein Liedchen.

Irgendwann mal, sagt Raab, will er aus dem TV-Geschäft aussteigen. Drei oder vier Jahre um die Welt segeln. Sein Boot wird er einrichten wie ein Studio, mit Kameras und Mischpult. Wäre doch schade, wenn man die Reise nicht verwerten könnte.

Noch ist es nicht soweit. Noch zappelt er durchs Buntfernsehen und läßt die Leute raten, wer hinter dem Dauergrinser steckt. Letztens allerdings verging ihm das Lachen. Da pflaumte ihn Franziska van Almsick an, sie sei immer noch sauer wegen der Pinkel-Frage. Raab mußte kurz schlucken. Dann flehte er: 'Bitte sag mir, daß du mich liebhast.'

ULI HAUSER

 

Quelle: Stern 8.7.1999

 

 


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